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Claude Nicolas Ledoux (1736-1806) – Architekt des Königs, Architekt der Aufklärung, Dichter der Theorie der Architektur – Claude-Nicolas Ledoux wurde 1736 in Dormans in der Champagne geboren. Er wurde für Zeichnung und Gravur ausgebildet und lernte die Theorie der Architektur in der Schule von Jacques François Blondel (1705/1774) kennen. Sein erstes Werk war ein prächtiges Dekor für das Militär-Café in Paris. Es zeigt seine Neigung für die erzählende Ikonographie und seine Fähigkeit selbst bescheidene Programme mit viel Eindruck zu behandeln.

1764 wurde Ledoux als Architekt der Wald- und Wasserverwaltung ernannt und über ungefähr zehn Jahre teilte er seine Arbeit zwischen den Baustellen der Provinz (Brücken, Dorfkirchen) und den mondänen Pariser Kunden (städtische Herrenhäuser d’Hallwyl, d’Uzès, der Tänzerin Guimard, der Pavillon von Madame du Barry in Louveciennes,…) auf. Anschließend wurde er zum Inspektor der Salinen Lothringens und der Franche-Comté und Architekt des Generalfinanzpachtamtes ernannt, und stand an der Spitze der gewaltigen Baustelle der Königlichen Saline von Arc-et-Senans (1774/79) und dann des Theaters von Besançon.

Die letzte Baustelle, die er für die öffentliche Hand leitete, war die der Umfriedungsmauer der Hauptstadt („des Generalfinanzpachtamtes“ genannt 1785-90), die von 54 Steuerhäusern (städtische Mautstellen) unterbrochen war, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Tore zu Paris darstellten. Sie sind alle verschieden und gewaltig entworfen und sollten die bürgerliche Zustimmung der Steuerzahler zur städtischen Autorität einer von der Polizei überwachten Hauptstadt symbolisieren. Die Ästhetik, die in diesem Fall sehr kostspielig war, und das utopische Ideal des Architekten stießen frontal mit der französischen Revolution zusammen. Er wurde während der Schreckensherrschaft verhaftet und starb 1806.

Die Persönlichkeit Ledoux setzt sich unter den Architekten des Endes des 18. Jahrhunderts durch seine Originalität, den Abwechslungsreichtum, die Weite und Universalität seiner Konzeptionen durch. Die weitreichende Zerstörung seiner Bauwerke und das Vergessen, mit dem das 19. Jahrhundert seine Verachtung der Kunst des Zeitalters der Aufklärung ausdrückte, haben den Mythos eines „verdammten“ Künstlers oder eines „revolutionären Architekten“ unterhalten. Im Gegenteil dazu wurde das Werk Ledoux, das dem Gedankengut der Enzyklopädie, und der moralisierenden und sinnlichen Feinfühligkeit des 18. Jahrhunderts nahe war, von den Stadtoberen seiner Zeit sehr wohl verstanden und bewundert.

Seine Beziehungen zu den Dichtern der Zeit, insbesondere dem Abt Jacques Delille (1738/1813), zu den Physiokraten, zu einigen adligen Reformisten und Bankiers von hohem Rang, sowie seine Vorlieben für die Milieus der Musik, des Theaters und der Malerei zeigen seine enzyklopädische Neigung und erklären seinen raschen beruflichen Aufstieg. Erst 1804 veröffentlichte er einen ersten Band eines umfangreichen Werkes – die Architektur betrachtet unter dem Gesichtspunkt der Kunst, der Sitten und der Gesetzgebung – in dem die Königliche Saline von Arc-et-Senans als Ausgangspunkt eines weiten städtebaulichen Projektes dargestellt wird: eine ideale Stadt um eine integrierte Manufaktur.

Ledoux versuchte durch das architektonische Projekt, eine Antwort auf die städtebaulichen und sozialen Fragen seiner Zeit zu geben: Verkehr, hygienische Verhältnisse, Ausgeglichenheit und Ausstattung der Stadt. So zum Beispiel die Markthallen: das Projekt sollte zu einer besseren Verteilung der Waren in der Stadt beitragen und die Straße von den Auslagen befreien. Oder auch die zahllosen „Häuser“ der Künstler, der Wächter, der Holzfäller, der Köhler,… auf dem Lande. Jedes Gebäude wurde sehr eindrucksvoll und mit Symbolik in den Formen behandelt. Wie es Etienne Louis Boullée (1728/1799) zum Ausdruck brachte, handelt es sich da um eine erzieherische Vision der Stadt, wobei die Architektur nicht nur mehr die Kunst des Bauens ist, sondern dichterische Kunst; sie ist „gefühlvoll“ und erzählend, belebt von den nachgeahmten Wirkungen der Natur, um allen die bürgerlichen und pädagogischen Tugenden weiter zu geben.